Bei einer Olympia-Absage sorgen sich die Sportverbände um die Wahrnehmung ihrer Sportarten. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marijan Murat/dpa)

Deutsche Sportverbände fürchten für den Fall einer Absage der Sommerspiele in Tokio vor allem den Verlust der olympischen Strahlkraft.

«Die Austragung der Spiele in Tokio ist für uns von enormer Bedeutung, denn die mediale Wahrnehmung unserer olympischen Sportarten ist nie so groß wie bei den Spielen», sagte Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, der Deutschen Presse-Agentur. Die durch Olympia erhöhte Wahrnehmung ziehe Sponsoren an und verstärke die Fanbindung.

Auch der Judo-Bund sorgt sich um die Chance, sich bei Olympia einem größeren Publikum präsentieren zu können. «Das hilft uns, neue Mitglieder zu gewinnen – diese Chance würde dann wegfallen», sagte Vorstandssprecher Frank Doetsch. Nach erfolgreichen Spielen verzeichnete der Verband stets Zuwachs in den Vereinen. «Durch Corona haben wir ohnehin schon einen Mitgliederschwund, ohne Olympia gäbe es dann keine Möglichkeit, das zu kompensieren», sagte Doetsch.

Beim Schützenbund zeigte sich das steigende Interesse von Sponsoren und Neu-Mitgliedern zuletzt nach dem Olympia-Silber von Bogenschützin Lisa Unruh in Rio. «Die Sportler können sich ohne die olympischen Lorbeeren nicht so gut vermarkten wie mit einem (erfolgreichen) olympischen Auftritt», schätzt der DSB.

Auch Leichtathletik-Generaldirektor Idriss Gonschinska rechnet bei einer Olympia-Absage vor allem mit indirekten Auswirkungen, die er «momentan nicht beziffern» könne. Durch dann fehlende Einnahmen aus der Olympia-Vermarktung erwarten andere Verbände eine Reduzierung von Preisgeldern, geringere Zuwendungen durch die Weltverbände und erhöhte Startgebühren.

Wegen der Corona-Pandemie waren die für 2020 geplanten Tokio-Spiele in diesen Sommer verschoben worden. In Japan sprach sich zuletzt eine große Mehrheit der Bürger in Umfragen für eine erneute Verschiebung oder Komplett-Absage aus.