Oliver Mintzlaff muss nun einen neuen Trainer für RB Leipzig finden. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Arne Dedert/dpa)

Der Aderlass bei RB Leipzig ist enorm. Im Jahr eins nach Timo Werner geht Abwehrchef Dayot Upamecano zum FC Bayern – Cheftrainer Julian Nagelsmann folgt ihm. Dafür freut sich RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff über einen millionenschweren Scheck vom deutschen Rekordmeister.

Nach dpa-Informationen könnten die Zahlungen inklusive Erfolgsprämien später bis zu 30 Millionen Euro betragen. Laut Mintzlaff ist es den Leipzigern gelungen, ihre «finanziellen Vorstellungen realisieren» zu können. Doch wie geht es personell weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zukunft von RB Leipzig:

Wann will der Verein Nachfolger für Julian Nagelsmann und für Sportdirektor Markus Krösche präsentieren?

Nachdem Nagelsmann bereits seit über einem Jahr auf der Wunschliste vieler Topclubs gehandelt wurde, sorgte RB vor. Es ist kein Geheimnis, dass der ehemalige Rangnick-Assistent Jesse Marsch vom Schwesternclub RB Salzburg bereitsteht. «Wenn ich die Möglichkeit als Trainer in Leipzig haben kann, ist das super», sagte der US-Amerikaner. Mintzlaff kündigte in Kürze eine Lösung an: «Wir haben eine Shortliste mit drei Namen, die wir jetzt abarbeiten.» Denkbar neben Marsch wären Oliver Glasner, der beim VfL Wolfsburg eine Ausstiegsklausel haben soll, oder Roger Schmidt (PSV Eindhoven) – alle haben die RB-DNA.

Viele Spieler wie Brian Brobbey oder Benjamin Henrichs kommen oder verlängerten wegen Nagelsmann. Was wird nun mit dem Team?

Die am Dienstagmorgen informierte Mannschaft wurde von dem Blitzwechsel überrascht, muss sich nun neu orientieren. Nach dem Abgang von Upamecano steht wohl auch Ibrahima Konaté dank Ausstiegsklausel vor dem Absprung (FC Liverpool). Kapitän Marcel Sabitzer und Nationalspieler Marcel Halstenberg zögerten zuletzt mit ihrer Unterschrift zur Verlängerung. Torwart Peter Gulacsi könnte dank einer Ausstiegsklausel (15 Millionen Euro) ebenfalls kurzfristig wechseln – wohin auch immer.

Nagelsmann wolle aus Respekt vor RB und deren Entgegenkommen bei seinem Wechselwunsch keine Spieler abwerben. «RB soll die Spieler abgeben, die sie wollen», sagte er jedoch. Mintzlaff kündigte weitere Abgänge an, da der Kader inklusive Neuzugänge mit derzeit 25 Feldspielern zu groß ist. «Uns schwebt eher eine Größe von 21 vor. Es wird also noch etwas auf der Abgabenseite passieren», sagte Mintzlaff der «Bild» (Dienstag).

Wie sehr beeinflusst der Wechsel die restlichen Spiele von RB, gerade mit Blick auf das DFB-Pokalhalbfinale am Freitag (20.30 Uhr/ARD und Sky) bei Werder Bremen?

Nagelsmann macht kein Hehl daraus, dass er «schweren Herzens» geht. Daher will er unbedingt seine Spuren hinterlassen und «die beste Saison der Vereinsgeschichte» hinlegen. «Dies wollen wir mit aller Macht erreichen – dies und natürlich, erstmals in der Vereinsgeschichte „etwas Blechernes‘ in den Händen zu halten», betonte er mit Blick auf die Titelchance im DFB-Pokal. Er sei «in Leipzig noch nicht fertig. Wir sind zu einem eingeschworenen Haufen zusammengewachsen, der endlich einen Titel will.»

Wer wird den Job von Markus Krösche übernehmen?

Ins Anpassungsprofil würde der Salzburger Sportdirektor Christoph Freund ideal passen – quasi im Doppelpack mit Marsch. Der einstige Sportkoordinator unter Rangnick spielte schon bei den Transfers von Amadou Haidara, Konrad Laimer oder Erling Haaland von Salzburg zum BVB eine wichtige Rolle. «Wir werden einen Nachfolger haben, der die Philosophie nicht auf links dreht, sondern das, was Julian hier aufgebaut hat, fortsetzt», sagte Mintzlaff.

Wird RB in der kommenden Saison qualitativ einen Einbruch erleiden?

Das hängt auch davon ab, ob Führungsspieler wie Sabitzer, Forsberg oder Gulacsi gehen. Und ob die Youngster Führungsqualitäten haben. Dank der Neuzugänge Josko Gvardiol (Dinamo Zagreb), Brian Brobbey (Ajax Amsterdam) und Mohamed Simakan (Racing Straßburg) ist für Qualität gesorgt. Zudem kommen die Langzeitverletzten Konrad Laimer und Dominik Szoboszlai ins Team zurück. Mintzlaff machte eine Kampfansage in Richtung München: «Wir werden die Lücke schließen, Julian wird uns spüren, wir werden weiterhin auf Angriff gehen und sind überzeugt, dass wir wieder Kompetenz zu uns holen». Er stellte weitere Verstärkungen in Aussicht.

Von Frank Kastner, dpa