Daniil Medwedew steht zum ersten Mal im Finale der Australian Open. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andy Brownbill/AP/dpa)

Daniil Medwedew will in seinem ersten Finale bei den Australian Open Rekordsieger Novak Djokovic entzaubern.

Der Titelanwärter trifft am Sonntag (9.30 Uhr/Eurosport) im Schlussakt des zweiwöchigen Tennis-Turniers auf den Vorjahressieger und kann seine starken Auftritte mit seinem ersten Grand-Slam-Sieg veredeln. Im zweiten Halbfinale gewann der Russe mit einem lange Zeit dominanten und nur am Ende kurzzeitig wackeligen Auftritt 6:4, 6:2, 7:5 gegen den griechischen Publikumsliebling Stefanos Tsitsipas.

«Ich bin sehr glücklich, im Finale zu sein. Ich bin ein bisschen ängstlich und angespannt geworden», sagte der 25-Jährige, der 20 Matches nacheinander gewonnen hat: «Ich hoffe, ich kann sie noch ein bisschen aufrechterhalten», sagte er verschmitzt zu seiner Serie.

Zum zweiten Mal hat es Medwedew in ein Grand-Slam-Endspiel geschafft. Nun könnte seine Herausforderung aber kaum größer sein: Medwedew muss die eindrucksvolle Serie von Djokovic stoppen, der in all seinen vorangegangenen acht Endspielen in Melbourne triumphiert hat. «Er hat sicher mehr Erfahrung, aber auch mehr zu verlieren», sagte Medwedew.

Gegen Tsitsipas war Medwedew nach vier ausgeglichenen Spielen mit seinen früh genommenen und geraden Schlägen der bessere Halbfinalist. Mit eindrucksvoller Selbstverständlichkeit kontrollierte der 1,98 Meter große schlaksige Athlet aus Moskau die längeren Ballwechsel. «Er ist ein eigener Typ. Das macht ihn schwer zu berechnen, weil er ungewöhnlich spielt», urteilte Boris Becker als Eurosport-Experte.

Ein Break im ersten Satz zum 3:2, zwei weitere Breaks zum 2:1 und 5:2 im zweiten Abschnitt – schnell fehlte dem unaufgeregten Russen nur noch ein Satz. «Das ist jetzt schon ein Klassenunterschied», sagte Becker. Angefeuert vom Publikum in der Rod-Laver-Arena – die griechische Gemeinde in Melbourne ist groß – kam Tsitsipas im dritten Satz nach einem erneuten Rückstand noch mal zurück. Anders als zuvor gegen Topstar Rafael Nadal zuvor kam er aber nicht annähernd an eine Wende heran. Medwedew verlor nur kurzzeitig seine Souveränität.

Medwedew ist selbst von den Besten seit längerem nicht zu besiegen. Für den Anführer der starken russischen Tennis-Generation war es der zwölfte Sieg nacheinander gegen einen Top-Ten-Spieler. Er dürfte in dieser Form auch für Djokovic gefährlich werden. Der serbische Weltranglisten-Erste sprach anerkennend über die Siegesserie des Russen, sagte bei Eurosport auch: «Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll. Aber realistisch gesehen, ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich.»

Es ist längst eine Gewohnheit, dass die Tennis-Saison mit Djokovic als Finalist der Australian Open beginnt. Bei seinem Dreisatzerfolg im Halbfinale am Donnerstag gegen den russischen Überraschungsmann Aslan Karazew war von einer Bauchmuskelblessur, die ihn nach der dritten Runde noch von Aufgabe reden ließ, nichts mehr zu spüren. Djokovic treibt es an, im faszinierenden Rennen um die größte Grand-Slam-Trophäensammlung Roger Federer und Rafael Nadal einzuholen. Noch hat er drei Titel weniger.

Bei den Damen ist die Szenerie eine ganz andere, die Hauptdarstellerinnen variieren. Die 23-jährige Naomi Osaka aus Japan aber hat sich etabliert. Ihr ist am Samstag (9.30 Uhr/Eurosport) gegen Überraschungsfinalistin Jennifer Brady der vierte Grand-Slam-Titel zuzutrauen. Sollte die Amerikanerin Brady, betreut vom deutschen Trainer Michael Geserer, am Ende die begehrte Sieger-Trophäe in den Händen halten, wäre die Überraschung noch größer als bei einem Triumph von Medwedew.

Von Kristina Puck, dpa