Horst Hrubesch (l) im Volksparkstadion im Gespräch mit Marcell Jansen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christian Charisius/dpa)

Vereinslegende Horst Hrubesch soll den strauchelnden HSV doch noch zum Bundesliga-Aufstieg führen.

Der Fußball-Zweitligist aus Hamburg gab die Trennung von Cheftrainer Daniel Thioune bekannt und setzt in den verbleibenden drei Saisonspielen auf den aktuellen Nachwuchschef und früheren Nationalstürmer Hrubesch. «Zunächst einmal geht es darum, die Köpfe der Spieler freizubekommen. Zuletzt hat die Mannschaft leider oft unter Wert gespielt», sagte der 70 Jahre alte Hrubesch. «Wir müssen alles daran setzen, den Mist, den wir verbockt haben, wieder geradezurücken.»

Thioune war erst zu Saisonbeginn vom VfL Osnabrück gekommen. Sein Vertrag war bis Sommer 2022 datiert. Doch unter der Regie des 46-Jährigen gelangen dem HSV in bislang 14 Spielen der Rückrunde nur drei Siege und 16 Punkte.

Die Mannschaft verfüge «über eine andere Qualität, die wir jetzt in den verbleibenden Spielen auf den Platz bringen müssen. Ich werde viele Gespräche führen, reinhören und versuchen, ein paar Akzente zu setzen», sagte Hrubesch. Er stellte zugleich klar, dass er nur bis zum Saisonende den Posten übernehme und dann in seinen Job als Chef des HSV-Nachwuchsleistungszentrums zurückkehre.

Laut HSV-Mitteilung wurde die Mannschaft unter anderem von Sportvorstand Jonas Boldt über die Entscheidung informiert. Am Montagnachmittag soll die erste Trainingseinheit unter der Regie Hrubeschs stattfinden.

Hrubesch soll helfen, für größeres Selbstvertrauen in der Mannschaft zu sorgen, damit diese die minimale Aufstiegschance noch wahrnehmen kann. Der HSV ist derzeit Tabellendritter mit 52 Punkten hinter dem VfL Bochum (60) und Greuther Fürth (57). Die Mannschaft des Viertplatzierten Holstein Kiel (50) hat noch drei Nachholspiele zu bestreiten und kann den HSV vom Relegationsrang verdrängen.

Bei einem Scheitern könnte es auch für Boldt im Sommer eng werden. Auf jeden Fall ist es die letzte Chance, den dringend benötigten Stimmungswechsel herbeizuführen. Eigentlich wollte der 39-Jährige beim HSV für Ruhe und Kontinuität sorgen und dem als Entwickler geholten Thioune die nötige Zeit zum Aufbau eines Teams mit Perspektive geben.

Doch anders als im Vorjahr, als er an Dieter Hecking festhielt, sah sich Boldt vor den letzten Spielen zum Handeln gezwungen. Kein Wunder nach den meist mageren Rückrunden-Auftritten und Ergebnissen des Teams um Kapitän Tim Leibold. Mehrfach wurde deutlich, dass das verjüngte Team zwar Potenzial hat und technisch begabt ist, die Spieler mitunter aber zu wenig investieren und mental zu anfällig sind. Nach den jüngsten trostlosen Darbietungen sahen sich die HSV-Verantwortlichen nun zum Handeln gezwungen.

«Wir hatten am Wochenende viele interne Gespräche. Und irgendwann haben wir dann auch über Traineralternativen gesprochen», verriet Hrubesch und bekräftigte: «Bei nur drei oder maximal fünf verbleibenden Spielen machen andere Lösungen nicht viel Sinn. Ich brauche keine Kennenlernphase.»

Von Franko Koitzsch und Thomas Prüfer, dpa